Juul Winterhart

Juul Winterhart

Juul Winterhart

Recording Start – Vom Winter in den Frühling

Willkommen in der Rubrik winterhart_innen. Hier möchten wir Einblicke geben in das Projekt und seinen Verlauf. Welche Herausforderungen stehen gerade an und wie geht es eigentlich damit weiter? Heute dreht sich alles rund um den Start zu den Aufnahmen unseres Debut Albums. Nach einem gemeinsamen Kick-Off Anfang des Jahres wird gerade jedes Instrument für sich selbst auf die Studio Reise geschickt. Auf dieser Reise gibt es die eine oder andere Überraschung zu erleben. Begonnen hat alles durch Zufall ganz gemäß dem Projektnamen mitten in einer in einer Kältewelle…

DER STARTSCHUSS DES ABENTEUERS

In Eiseskälte treffen wir uns ein letztes Mal alle gemeinsam im Proberaum „Music Factory“, um uns auf das große Abenteuer einzustellen. Wir – das sind Schlagzeuger David Erharter, Bassist Michael Kranebitter, Gitarrist Leonhard Wieser und meines Zeichens Juul Winterhart, die Stimme und Klavier beisteuert.

Nachdem wir uns 2023 zusammengefunden hatten, begaben wir uns gemeinsam mit Producer Fabio d’Amore in die Phase der Vorproduktion unseres ersten Albums. Vieles ist in dieser Zeit passiert und am Ende wurden wir belohnt mit den Skizzen zu 13 Songs, die allesamt sicher individuell als Projektionsfläche für eine Palette an Gefühlen funktionieren.

DRUMS ALS FUNDAMENT

Die Vorbereitungen für die Studioaufnahmen waren intensiv. Als die Termine in Sichtweite rückten wurde als erstes am Schlagzeug Setup gearbeitet, da dieses Instrument den Anfang macht. Wir entscheiden uns das eigene Drum Set von Schlagzeuger David Erharter zu verwenden das aus einer Kombination aus Acryl und Holz besteht und ergänzt wird durch eine Ludwig Snare. Als Felle verwenden wir Evans Coated. Die Becken sind größtenteils von Meinl. Das ganze Equipment wird früher angeliefert, um sich an die Umgebung zu gewöhnen und bei der Anreise wartet schon die erste Hürde, wie David erzählt:

„Ein super Start auf jeden Fall! Passend zum Album Thema „winterhart“ hat es richtig angefangen zu schneien. War ein bisschen eine Herausforderung, aber wir sind gut angekommen. Daheim haben wir die Drums vorgestimmt, jetzt haben wir sie ins Studio gebracht, damit sie sich schon einmal an den Raum gewöhnen können, die Felle, und damit wir schon einmal alles da haben.“

Die richtige Stimmung der Drums ist essenziell für den Klang des Sets und wurde auf die Tonarten der Songs abgestimmt. Dabei wird erreicht, dass sich 85% der Harmonien des Albums im Schlagzeug widerspiegeln.

„Ich habe eigentlich sehr viel jetzt nicht nur nach Gefühl getan, aber nach Gehör und einen modernen Drum, also eigentlich sogar Rock Sound getunt, der eher auf der tieferen Seite ist.“, erklärt Drummer David Erharter.

DER ERSTE SCHRITT IM STUDIO

Der erste Tag im Studio beginnt in der Dunkelheit. Draußen ist immer noch Winter und drinnen macht sich gespannte Stille breit. Im Studio „Synonym of Sound“ wird ein neuer Ordner angelegt – „Final Production“. Ein unscheinbarer Klick, der für die Band den Startschuss markiert… 

Die gesamte Zeit wird dem Setup gewidmet. Und hier wird schnell klar: Ein Drumset ist nicht einfach ein Instrument – es ist ein eigenes Ökosystem. Jede Komponente, jedes Becken, jeder Raumanteil wird sorgfältig abgestimmt. Rund 20 einzelne Tonspuren zeichnen später das auf, was man am Ende die Soundbasis bildet.

Es wird gemessen, verglichen, gedämpft, wieder geöffnet. Mikrofone getauscht und Abstände mit dem Meterstab kontrolliert. Und schlussendlich passiert er, dieser Moment: Ein erster Refrain läuft probeweise über die Boxen. Gänsehaut. Alle wissen: Jetzt ist es da – das Fundament des Albums.

Producer Fabio D’Amore ist zufrieden mit dem Ergebnis: „Wir haben ein sehr breites Set Up, ich meine, ich bin ziemlich froh, dass wir Punch, Crunch, experimentelle Mikrofone erreichen konnten, zusammen mit viel Diversität auch. Also es ist für jeden etwas dabei, für alle Geschmacksarten und es gibt viel Raum für den Mix. Also das war genau das, was ich wollte, was ich im Kopf hatte, und das ist genau das, was wir getan haben.“

DIE SONGS ALS FREIGEISTER

In den folgenden Tagen zeigt sich, dass kein Song gleichbehandelt werden kann. Manche brauchen rohe Energie, andere Zurückhaltung. Manche verlangen millimetergenaue Präzision, andere leben von Spannung und Luft.

Es gibt Songs, die in zwei Takes sofort stehen. Und andere, die sich sträuben. Die Tempi wechseln und manchmal liegen die Akzente entgegen der Erwartung, Übergänge müssen zerlegt und neu zusammengesetzt werden. Besonders spannend: Ein eigentlich ruhiger Song entpuppt sich als echte Herausforderung – weil Reduktion einfach gnadenlos ehrlich ist. Dabei stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Was dient dem Song – und was nicht?

Manchmal sind es scheinbar winzige Details, die alles verändern: ein Fill, der exakt auf einen Takt perfektioniert wird, ein Wechsel von Sticks zu Rods, um mehr Zurückhaltung zu erzeugen, eine weitere Snare im Raum, damit ein Song „marschieren“ kann oder bewusst weggelassene Bassdrums, um später einen Effekt wirken zu lassen. Diese Entscheidungen hört man nicht bewusst – aber sie lassen sich fühlen.

Fabio D’Amore hat bei den Aufnahmen einen klaren Fokus und weiß, warum er gewisse Maßnahmen setzt: „Um den besten Sound wie möglich zu bekommen, vor der Postproduktion, damit wir jetzt schon beeindruckt sind von der Performance und von den Mikrofonen und um das Unnötige zu entfernen und ein paar Passagen zu verbessern, die das gewissen Etwas gebraucht haben, das immer ansteuere am Ende der Takes.“

PERCUSSION ALS FEINE FÄDEN IM GEWEBE

Nach den großen Drumtakes folgt die Feinarbeit. Tamburin, Shaker, Clave, Maraca ergänzen die Atmosphäre der Songs. Nicht überall und nicht ständig, aber gezielt. Manche Songs bekommen dadurch mehr Vortrieb, andere mehr Tiefe oder Wärme. „Das hat den Songs Glanz verliehen, bei den Songs bei denen wir es jetzt gemacht haben, nicht bei jedem, aber das passt auch genauso. Jetzt haben wir noch die Analyse gemacht, also wir haben über jeden Song drüber geschaut, ob da noch irgendwelche Parts waren, die uns jetzt nicht gefallen haben. Da haben wir eigentlich nichts, nur ein paar kleine Editierungen hat Fabio schon vorgenommen und ich konnte eigentlich gar nicht glauben, dass wir jetzt schon fertig sind. Die Woche ist verflogen, und es ist mega, einfach mega.“, freut sich David Erharter.Damit gehen mit vier Studiotagen die Drum Recordings zu Ende und man kann sagen, dass die Tage schon etwas heller geworden sind – Millimeter für Millimeter.

DAS FUNDAMENT BEKOMMT EINE STIMME

Mit den helleren Tagen kommt der Bass ins Spiel. Und plötzlich verschiebt sich alles. Der Bass verbindet Schlagzeug und Harmonie und „winterhart“ Bassist Michael Kranebitter lässt die tiefen Töne im Studio „Synonym of Sound“ erklingen. Auch hier gibt es die ein oder andere Anpassung. Slides werden verändert, Töne tiefer gesetzt, Übergänge neu gedacht. Manche Songs fordern den Bass besonders heraus, weil sie zwischen Shuffle, geraden Parts und Tempowechsel springen. Andere verlangen extreme Präzision im Zusammenspiel mit ungewöhnlichen Drumakzenten.

Gerade als die Arbeit besonders intensiv wird gibt es eine Überraschung, die uns im wahrsten Sinne des Wortes wieder in die Dunkelheit versetzt. Ein Stromausfall unterbricht die Recordings für mehrere Stunden: „Wir hatten eine sehr schöne Unannehmlichkeit mit einem Stromausfall, wir mussten vom Studio einen Zwangsurlaub einlegen, genau von der Mittagspause bis 15 Uhr, aber am Ende war es auch nicht so schlimm, weil wir sind zeitig fertig geworden und wir hatten Spaß.“ Nur ein kleiner Teil eines Endings ist dadurch verloren gegangen und sofort wieder punktgenau eingespielt worden. 

Bald sind die 13 Songs aufgenommen und wieder zeigt sich das Eigenleben der Lieder, wie Bassist Michael Kranebitter reflektiert: „Ich bin überrascht, wie sehr mich das Setting im Studio beeinflusst hat. Eigentlich war kein Song einfach wie gedacht, jeder einzelne Song hat gewisse Herausforderungen gehabt.“

ERKENNTNIS UND MITTELPUNKT DER PRODUKTION

Nach sieben intensiven Studiotagen ist die Rhythmussektion abgeschlossen. Drums und Bass stehen. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis aus diesen Recordings: Das Album entsteht vor allem auch durch das ernsthafte Zuhören dahingehend, was ein Song wirklich braucht, denn die Lieder selbst sind der Grund, warum wir auf diese Reise gegangen sind…

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