Willkommen im Blog diesmal mit der Rubrik winterhart_dazwischen. Das heißt, heute dürfen wir unseren ersten Studiogast im Interview begrüßen. Es ist niemand geringerer als der Produzent des „winterhart“ Albums, Fabio D’Amore. Er führt sein eigenes Studio in Ötztal namens „Synonym of Sound“ und heute im Gespräch frage ich ihn nach seinen Erfolgen, nach seinen Misserfolgen, nach seinen Visionen und natürlich nach „winterhart.“
Über 20 Jahre Erfahrung im Musikgeschäft bringt Fabio D’Amore auf das Tablett und in letzter Zeit hat er etwas ganz, ganz Neues gestartet, nämlich mit seinem Team zusammen und mit wunderbaren weiteren Mitstreitern seinen eigenen Podcast, der gerade die zweite Episode veröffentlicht hat. Er heißt „Blank Fear of the Artist“ und es geht darum, dass auch erfahrene Musiker noch Ängste und Zweifel haben und ich frage Fabio, ob auch er manchmal Ängste und Zweifel hat.
„Ängste und Zweifel sind für mich jeden Tag eine Routine. Ich hinterfrage mich selbst. Jeden Schritt, den ich mache. Vielleicht steht ein Teil von mir zu 100 Prozent dazu, aber es gibt einen berechnenden Teil, der mir immer sagt, was mit Szenario 1, 2, 3 und 4 ist.“
TOURING MIT ZWEI SEITEN DER MEDAILLE
Und genau zu diesem Thema gibt er mit seinem Team zusammen wertvolle Hinweise und interessante Diskussionen darüber, wie man mit Ängsten, vor allem auch Bühnenängste, am besten umgeht und das alles im neuen Podcast „Blank Fear of the Artist“. Eine weitere Frage, die mich sehr interessiert hat, hat sich um das Touren gehandelt, denn viele Musiker träumen davon, einmal auf Tour zu gehen, aber ich habe schon mitbekommen, dass es auch Schattenseiten des ganzen Themas gibt und nach diesen habe ich Fabio gefragt:
„Touren ist sicher nicht für jeden und jeder hat eine andere Meinung. Einige meiner Bandkollegen könnten für immer auf Tour bleiben und ich entwickle jahrzehntelang ein bisschen die Distanz zwischen dem Tour-Leben und wenn ich im Studio bin, zum Beispiel. Ich mag es gerne zu wechseln. Wenn ich ein Monat auf Tour bin, kann ich nicht warten, zurück in das Studio zu gehen. Und wenn ich im Studio bin, gibt es vielleicht Tage, an denen es sehr schön wäre, jetzt auf Tour zu sein. Ich mag die Möglichkeit, sich zu verändern. Ich würde nicht zurückkehren wie vor ein paar Jahren, als ich nur viel auf Tour war. Dann wurde es ein bisschen schwer für meine Familie, ein Leben zu Hause zu haben und die Beziehungen und Freundschaften zu halten, weil ich immer weg war. Das ist auch ein Argument. Aber einige der Leute, die ich kenne, wollen das ihr ganzes Leben.
Für mich ist es definitiv eine gute Menge Spaß, aber es ist auch hart, besonders wenn die Situationen nicht einfach sind, wenn das Wetter schlecht ist, wenn es kalt ist oder wenn man krank ist.“
ZWISCHEN HOFFNUNG UND ENTTÄUSCHUNG
Viermal war Fabio D’Amore mit seiner Symphonic Metal Band „Serenity“ für den Amadeus Award nominiert, der der größte österreichische Musikpreis ist. Wie es das erste Mal war, nominiert zu sein und dann auch diesen nicht mit nach Hause zu nehmen, das hören wir jetzt.
„Das erste Mal, dass wir nominiert wurden, war ich nicht in Österreich. Ich wusste nicht einmal, dass es diesen Musikpreis gibt. Ich habe es noch nie gehört und wir waren auf dem Weg zwischen zwei Shows mit „Within Temptation“ und in der Mitte davon wurde mir gesagt, dass wir nach Wien fahren, weil es einen Musikpreis gibt.
Und ich konnte nicht einmal verstehen, worum es sich handelt. Aber dann bin ich in die Sache gekommen und war in der Show. Plötzlich, ohne viel zu wissen. Irgendwie habe ich an den Preis geglaubt. Ich wusste nicht, dass es eine Menge Grauzone gibt in diesem Typ von Awards. Ich erinnere mich, dass ich ziemlich enttäuscht war. Weil ich nicht über das ganze System wusste. Ich wusste nichts darüber.“
Diese Enttäuschung konnte dann spätestens 2017 überwunden werden, denn damals gewann „Serenity“ den „Amadeus Award“ in der Kategorie „Hard and Heavy“.
„Und das war, meiner Meinung nach, verdient. Es war wirklich ein perfekter Zeitpunkt für das. Und die anderen zwi Mal, ich habe mich nicht so sehr auf die dritte Nominierung konzentriert, weil ich wusste, dass es zwei Mal in einer Runde nicht passieren kann. Man beginnt schon mit diesem Gefühl. Aber das letzte Mal war ich ziemlich enttäuscht, weil ich denke, dass wir es wieder verdient haben wegen unserer Karriere und den anderen Akten in derselben Kategorie.“
VERDIENTE ANERKENNUNG IN SCHERBEN
Eine gewissen Zeit lang hatte Fabio den Award aufgestellt in seinem Studio. Dort konnte er auch von jedem bewunderst werden. Inzwischen ist das nicht mehr so, denn er liegt in tausend Scherben.
„Es ist leider zerbrochen. Und manche Leute haben versucht, es zu reparieren. Aber es ist eigentlich nie passiert. Es war wirklich eine lustige Situation. Wir waren immer noch im alten Studio. Und für mehrere Monate um den alten Studio war eine riesige Baustelle. Es gab eine Firma, die 24 Stunden da war. Um ins Studio zu kommen, musste ich komplett von der anderen Seite kommen. Und eines Tages haben sie sich so tief um das Studio gegraben, dass der ganze Award vibrierte. Und ich rann da hin, um ihn in Sicherheit zu stellen. Aber irgendwie war es ein bisschen zu spät und er ist auf dem Boden zerbrochen.“
DER ANSPRUCH AN SICH SELBST
Zu spät ist es keinesfalls für das Solo-Album von Fabio D’Amore, an dem er schon seit langem immer wieder arbeitet. Trotzdem, sagt er, braucht er noch ein wenig Zeit.
„Wie jeder Arzt, ist dieser kein guter Patient. Es ist einfacher für mich, für andere zu arbeiten. Und bei meinen eigenen Dingen habe ich nicht die gleiche Motivation, die ich an die anderen geben kann. Und ich habe noch keine richtige Person gefunden, die mir die gleiche Motivation gibt, die ich brauche. Außerdem bin ich Teil des Podcast-Themas, das ich als Show habe. Und es gibt sicher eine Angst, oder wie soll ich sagen, eine Unsicherheit, wie das Material sein sollte. Ist es jetzt zu alt oder soll ich es veröffentlichen? Und all diese Argumente. Ich habe die Projekte vor 15 Tagen wieder geöffnet. Und jetzt überlege ich die ganze Sache wieder.“
Zahlreiche Bands und Projekte profitieren von der Vision und Hingabe an den Sound, den Fabio in seinem Studio verfolgt.
„Meine Vision ist es, andere Projekte um SOS und meinen Namen zu haben, die so verpflichtet sind, wie ich denke, dass sie verpflichtet sein sollten. Es ist also nicht wichtig, wie viele Projekte es sind, aber die die dabei sind sollten die Philosophie von SOS treffen. Das bedeutet Qualität, Hingabe und Leidenschaft für die Qualität des Klangs. Das ist die Zukunft. Ich möchte diesen Kreis nur für die erweitern, die diese Philosophie treffen wollen.“
VERSCHIEDENE ASPEKTE VON „WINTERHART“
Das Projekt „winterhart“ steht jedenfalls ganz hinter dieser Phiolosphie und produziert gerade das erste eigene Album im Studio „Synonym of Sound“ von Fabio D’Amore. Und abschließend habe ich ihn natürlich gefragt, was bedeutet eigentlich „winterhart“?
„Es hängt davon ab, ob ich es aus der Perspektive eines Hörers sehe oder „winterhart“ im Projekt als Juul Winterhart, das sind zwei verschiedene Dinge. Für mich ist es ein melancholisches Gefühl, aber wenn vor dem Material von Juul sitze ist es ein schönes Umfeld, etwas freundlicher. Es gibt also zwei Arten „winterhart“ zu fühlen.“

